Dystopisches, verfallenes Grossraumbüro mit zombieartigen Gestalten an Computern und einem riesigen, verrosteten LinkedIn-Logo, das von der Decke hängt.

Letztes Refugium der Rastlosen

Das chäibe LinkedIn 😭

Doch während auf Facebook die Lichter ausgehen und auf X nur noch Trümmer rauchen, brennt im sterilsten und langweiligsten Winkel des Internets noch Licht: auf LinkedIn.

«Es langwiiligs Gschwätz»

Wer heute auf LinkedIn sehr aktiv ist, gehört aus meiner ganz persönlichen Sicht zu einer bemitleidenswerten Spezies.

Es sind die bizznizz-geilen, die Polit-Karriere-Junkies und es sind die Mitglieder der Sekte des Scientismus. Gemeinsam ist allen: es sind geistig-spirituell heimatlose Bluff-Chäibe. Sie tummeln sich dort wie die letzten Überlebenden einer Zivilisation, die verpasst hat, dass die Aufklärung und das Moderne Zeitalter definitiv vorbei sind, nicht gelernt hat, dass gerade jetzt ein nachmodernes Zeitalter anbricht und die nie gelernt hat, dass das Leben mehr ist als nur Erfolg bei der Arbeit.

Man riecht es förmlich, wenn man den Feed öffnet: Ein eklig-süsslicher Geruch von künstlicher Begeisterung und moralischer Überlegenheit weht einem entgegen. Es ist der Geruch von glattgekämmtem Fakery-Content, der nur für Algorithmen und für den beruflichen Status geschrieben wird, von Menschen, die ihre Seele für Karriere und Aufmerksamkeit eingetauscht haben.

Das Sektierertum der «Aufgeklärten»

Besonders bizarr wird es, wenn die ideologisch-politische Korrektheit in sinnbefreiten und banalen Dogmatismus kippt.

Dazu ein Beispiel: Ein LinkedInner wirft einer Qualitäts-Sendung, dem Echo der Zeit auf SRF vor, im Zusammenhang mit dem Klimawandel die sprachliche Wendung «gelten als» zu verwenden, weil es aus der Sicht von diesem jemand ein Fakt sei. Diese Sprachkonstruktion «gelten als» gilt in der Meinung von diesem Linkedinner in diesem Zusammenhang als «illegal» … 

Dabei wird ein Vergleich zwischen der Kugelgestalt der Erde – ein ultra simpler Fakt – und der Klimamodellierung herangezogen, ohne zu merken, dass es sich um einen klassischer Kategorienfehler handelt:

  • Die Erde als Kugel ist ein statisches, unmittelbar beobachtbares und physikalisch triviales Faktum – ein Kind mit einem Teleskop oder einem Flugticket kann das verifizieren.
  • Das globale Klima hingegen ist wohl eines der komplexesten chaotischen Systeme, die wir kennen, beziehungsweise eben gar nicht richtig kennen können im Gegensatz zu grossen Kugeln.

Hier mit der binären «Wahr oder Falsch»-Logik der Geometrie heranzugehen ist Scientismus – jener religiösen Überzeugung, dass Wissenschaft auf jede hochkomplexe Frage eine klare und unumstössliche Antwort liefern muss und auch kann. Der Klimawandel ist mit aller höchster Wahrscheinlichkeit menschengemacht. So lange da auch nur 0.001% Unsicherheit besteht, ist die Wortkonstruktion «gelten als» legitim. Zudem: Die Massenmedien haben wohl Besseres zu tun, als sich auf um solche extremen Sprachdetails zu kümmern.

Wenn Medien Begriffe wie «gelten als» verwenden, sehe ich das als Ausdruck intellektueller und vielleicht auch spiritueller Demut vor der Komplexität hochkomplexer System. Ich sehe das als Respekt gegenüber Rückkopplungsschleifen und systemischen Unsicherheiten.

Wer absolute Gewissheit für hochgerechnete Modelle verlangt, wie für die Tatsache, dass die Erde keine Scheibe ist, betreibt keine Aufklärung, sondern Dogmatismus für die eigene Filterblase – für die schädlichste Sekte der Gegenwart namens «Scientismus».

(Bild: Erstellt mit NanoBanana/Gemini durch den Autor. Dieses Bild ist eine KI-generierte Illustration zu satirischen Zwecken und stellt keine realen Personen oder Begebenheiten dar. Das in der Illustration verwendete LinkedIn-Logo ist ein eingetragenes Warenzeichen der LinkedIn Corporation. Die Darstellung erfolgt hier ausschliesslich im Rahmen der redaktionellen Berichterstattung und als visuelles Zitat zur kritischen Auseinandersetzung mit der Plattform. Es besteht keine geschäftliche Verbindung oder Autorisierung durch die Markeninhaberin.)

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