WORLD CAFÉ COCKPIT
Mein digitales Leitsystem für Postenlernen
Das World Café Cockpit ist da. Gemini und ich haben es geboren, und das Baby hat bereits erfolgreich in mehr als fünf Klassen von Primarschulen im Rahmen von meinem Medienkurs «Medienmaster» sowohl Kinder als auch Lehrpersonen beeindruckt. Ich habe dieses didaktische Tool, dieses Leitsystem entwickelt, um die logistische Last beim Stationenlernen mit der Methode «Werkstatt» von meinen Schultern zu nehmen. Es ist dabei ganz und gar nicht ein Versuch, das Klassenzimmer mit Bildschirmen voll zu pflastern.
Diese WebApp ist ein mittels Vibe Coding erstelltes Leitsystem für das Postenlernen, das meinen Orga-Stress auf Null reduziert, damit ich mich voll auf die pädagogische Begleitung, die Empathie und den Austausch mit den Kindern konzentrieren kann. Während das Cockpit im Hintergrund als automatisierte Moderation fungiert und das Timing sowie die Postenwechsel orchestriert, findet die Arbeit der Schülerinnen und Schüler weiterhin sowohl analog mit Papier und Stift als auch mit Schulgeräten statt.

Die Philosophie: Der Mensch im Mittelpunkt
In zeitgemässen Unterrichtssettings des Blended Learnings verbrauchen Lehrkräfte oft einen relevanten Teil ihrer Energie mit Classroom-Management: Gruppen managen, Stoppuhren drücken, Wechsel ansagen, für Ordnung sorgen. Das World Café Cockpit übernimmt für mich diese Steuerung im besten Fall komplett. Ich muss im Idealfall nie eingreifen, ausser ein einziges Mal vor der grossen Pause.
- Fokus auf Beziehung: Weil die Technik das Timing steuert, bleibt mehr Zeit für Austausch, Empathie und Begeisterung.
- Analoge Arbeit: Die Schülerinnen und Schüler arbeiten an gewissen Posten weiterhin mit Papier, Stift etc. Die Posten-Screens dienen lediglich als Stoppuhren, als «Auftragsblätter» und Orientierung bei Wechselphasen.

Wichtige analoge Ergänzungen
Als MA in Soziologie kenne ich die Dynamiken in Gruppen. Deshalb habe ich Funktionen und analoge Zutaten zum Gesamtpaket aufgebaut, die weit über eine einfache Stoppuhr hinausgehen:
- Teamgeist mit tierischen Identitäten: Huskys statt «Gruppe 1». Die Badges aus Schrumpffolie sind mein persönlicher Touch im Klassenzimmer. Über das Anbringen der magnetischen Tags landen wir direkt beim Thema Bildrechte und Tagging. «Darf ich euch diese Bezeichnung geben?» – eine kleine Frage, die den respektvollen Umgang im Netz direkt im Analogen verankert.
- Resume & Jump: Nach einer Pause oder einem Alarm läuft die Zeit exakt dort weiter, wo sie gestoppt wurde – ohne Hektik. Bei schnelleren Klassen kann phasenweise nach vorn gesprungen werden.
- Schneller fertig an einem Posten? Mit den «Websters»-Comics ist für Zeitvertreib für Gruppen gesorgt, die bei einem Posten vorzeitig fertig sind.
- Master Strict Alarm: Disziplinarische Probleme? Kein Problem! Ein Klick, alle Screens rot: «-1’000 PKT». Der strenge keltisch-helvetische Häuptling «Master World Café» sorgt für Ruhe und Aufmerksamkeit.
Lernkontrolle: Heftchen
Posten Panel bei Wechsel

Technik & Setup
Das Tool ist ein Showcase für Vibe-Coding – eine KI-unterstützte Entwicklungsmethode, die es erlaubt, jahrzehntelange Erfahrung extrem schnell in funktionalen Code zu giessen. Es ist auch ein Showcase für Vibe Zeichnen, Vibe Projektleitung, Vibe Präparation erstellen etc.
- Hardware: Ein Master-Gerät steuert alles; bis zu fünf Posten-Geräte dienen als reine Displays.
- Keine Installation: Alles läuft direkt im Browser. Es ist keine App-Installation nötig.
- Technischer Stack: PHP, JavaScript, HTML, CSS.
Zwei Wochen Entwicklungszeit
Seit 1993 bastle ich Web-Zeugs. Als visuell-technischer Redaktor bei der NZZ, als Projektleiter kurz bei SRF und als Web-Redaktor bei Economiesuisse kann ich den Überblick behalten und ich kann zum Teil Code verstehen. Wichtig: Ich kann ausser HTML-Tags pflanzen keine echten Programm-Codes selber erstellen! #BinZuDumm
Dank Vibe Coding war ich in der Lage, in etwa zwei Wochen dieses Tool, das insgesamt aus 39(!) einzelnen Programm-Code-Dateien besteht – von den zentralen PHP-Skripten für den Master-Screen bis hin zu den komplexen Logik-Dateien für die Posten-Synchronisation –, «eigenständig» zu erstellen. Und es hat pheeett Spass gemacht!
Was mit KI heute möglich ist, ist einfach absolut unglaublich …
Das Tool ist thematisch offen
Ursprünglich habe ich das World Café Cockpit für den spezifischen Usecase meines Kurses «Medienmaster» konzipiert, der auf die 5. und 6. Primarstufe zugeschnitten ist. In diesem Rahmen orchestriert das System die strukturierte Auseinandersetzung mit digitaler Kompetenz und Medienbildung. Das Schöne an der zugrunde liegenden Logik ist jedoch ihre universelle Anwendbarkeit für tiefere oder höhere Schulstufen.
Das World Café Cockpit ist als thematisch offenes Leitsystem gebaut: Mit nur wenigen redaktionellen Kniffen lässt es sich für beliebige pädagogische Inhalte, andere Schulfächer adaptieren. Da die eigentliche inhaltliche Arbeit auch komplett analog und losgelöst von der Software stattfindet, bleibt die volle pädagogische Freiheit erhalten, während das Tool lediglich den strukturell-organisatorischen Rahmen und das Timing vorgibt.
Das Tool ist technologisch indifferent
Dank dem konsequenten «Web-App-Prinzip» ist das World Café Cockpit völlig unabhängig von bestimmter Hardware oder Betriebssystemen. Sowohl der Master-Screen als auch die Posten-Panele laufen auf jedem Gerät, das einen modernen Browser besitzt und eine Bildschirmbreite von mindestens 10 Zoll aufweist. Nein: Eine Smartphone-Web-App ist das nicht! In meinem eigenen «Geräte-Park» setze ich auf eine extrem kosteneffiziente Lösung: Alte Apple-Tablets.
Ich habe bei Revendo sehr günstig gebrauchte, acht bis elf Jahre alte iPads erworben. Da die Geräte im Kurs als reine Anzeigegeräte fungieren, reicht die Leistung dieser Veteranen völlig aus.Ein entscheidender Vorteil von iPadOS ist dabei die Funktion «Geführter Zugriff». So wird sichergestellt, dass die SuS «nix, niente, nada» an den Geräten manipulieren können, sondern sie genau so nutzen, wie es gedacht ist: als digitales Leitsystem, auf das man einfach nur draufschaut.

Testing, Testing, Testing
Ich vertraue keinem Tool, das ich nicht selbst ausführlich getestet habe. Bevor ich gemeinsam mit dem World Café Cockpit das erste Mal mit einer Schulklasse diese Werkstatt-Sesseion gestartet habe, musste sich dieses Leitsystem in einem 95-minütigen Test beweisen. In diesem Szenario habe ich den kompletten Ablauf des Kurses simuliert – inklusive aller Wechselphasen. Da ich seit 1993 in Web-Projekte involviert bin, weiss ich, dass die Tücke oft im Detail liegt, wenn Geräte, Server und Code über Stunden laufen müssen.
Dieser erfolgreiche Härtetest war für mich die Bestätigung, dass das System absolut stabil läuft. Es ist eben kein fragiles Experiment, sondern ein belastbares Werkzeug, das den harten Alltag in der Primarstufe problemlos wegsteckt. Was hier auf dem Test-Teppich so unspektakulär aussieht, war die Garantie für mich, dass ich mich während des Unterrichts zu einhundert Prozent auf die pädagogische Begleitung verlassen kann und nicht zur IT-Feuerwehr werden muss. Zumindest nicht bei diesem Tool, sondern «nur» bei den Schulgeräten …
Kleiner Rant: Vibe Coding vs. Projektleitung
Manchmal ist Vibe Coding voll für die Füchse! 🦊 Meine Gemini hat an diesem Leitsystem für Gruppenarbeit, beim Umbau für neue Features, während vier Stunden Vibe-Coding-Gebastel vergessen, die «Mécanique» hinter dem Frontend auch umzubauen. 🤦♂️
Haha, ich Depp habe via Python-Scripts, die mir Gemini bastelte, das komplette Repository verpfuschen lassen, weil ich diese Entdeckung, mit Vibe-gecodeten Python-Scripts dutzende Files umbauen zu können, sooooo cool fand. 🤓 Und dann sagte der, die oder das Gute, es habe vergessen, den «Motor» auch umzubauen, aber es sei ja «nur» ein Staging-Ordner. Wörtlich: «Zum Glück hast du die Version von vorher noch!» 😅
Die Overconfidence von diesem neuen Werkzeug – KI ist nicht intelligent, es ist einfach ein Werkzeug! – macht manchmal echt krasse Überraschungen. ✨ Ich glaube übrigens, ich war «dank» KI wieder mal so richtig Compi-süchtig im Dezember 25. 💻 Es ist so, wie es ist: Diese Tools spiegeln den eigenen Charakter und die eigene Ausdrucksweise. Bei meinem Schalk wird das dann manchmal sehr lustig für mich selbst. Bei meiner Selbstliebe wird der Austausch mit LLM extrem romantisch.
A propos «Screen-Adiction»: Andrea sagte regelmässig im Vorbeigehen, als ich diese zig Stunden am Töff sass: «Du bisch en Langwiiler!»
Wie schon erwähnt, war ich bei NZZ und SRF unter anderem als Projektleiter für Online-Lösungen aktiv. Da gab es vielleicht weniger krasse Überraschungen von Seiten der «Liferant*innen», aber dafür war man regelmässig mit menschlichem Stolz und mit Abgrenzungszwängen konfrontiert: die überdrehten Designer «NICHT UNSER CD/CI», die überarbeiteten Programmierer «WAR NICHT IN DEN SPEZIS VOR 2 JAHREN ALS WIR DEN RAHMEN VON DIESEM TOOL FESTGELEGT HABEN!», die pingeligen Redaktor*innen die null Clue von UX-Texting hatten: «DAS IST NICHT UNSERE SPRACHKULTUR»… 🙄 Zudem: Alle brauchten viel zu lange und alle nervten mit ihrem Berufsstolz… «Äs mänschlet halt…»
A propos «Es menschelt»: Wer kann viben, wer wohl eher nicht
Vibe-Coding ist weit mehr als nur ein technologisches Update – es ist ein psychologischer Filter. Wer Jahrzehnte in der Welt der Spezifikation und Syntax verbracht hat, dessen Gehirn ist oft auf eine Exaktheit gepolt, die dem «Viben» diametral entgegensteht. Programmierer sind klassischerweise die ultimativen Mikromanagement-Leute des eigenen Codes; sie bauen Stein auf Stein, Regel für Regel. «Viben» hingegen verlangt die Mentalität von Surfer*innen. Es geht nicht darum, das Wasser zu bändigen!
Es geht darum, die «Energie der KI-Welle» zu nutzen! Hier zählt die Intention vor der Konstruktion, die Semantik vor der Syntax. Kleine und Mittlere Unternehmen stehen damit vor einem gewaltigen Change: Wir müssen unsere Denkweise zu IT-Lösungen ändern. Wir können künftig mehr IT-Bedürfnisse intern lösen und brauchen nicht mehr die exakten Konstrukteure bei spezialisierten IT-Firmen, sondern wir brauchen begabte Vibe Coding Regisseur*innen direkt in unserer eigenen Firma, in unserem eigenen Verein.
| Klassisches Arbeiten («Hard Skills») | «Vibe» Arbeiten (KI-gestützt) |
| Spezifikation (Exaktheit) | Intention (Absicht) |
| Konstruktion (Bauen) | Kuratierung (Auswählen/Steuern) |
| Syntax (Regeln befolgen) | Semantik (Bedeutung vermitteln) |
| Mikromanagement | Regie führen |
Reality Check: Soloproneure & KMU viben anders als Grosskonzerne & IT-Unternehmen
Man muss ehrlich sein: Vibe Coding ist kein Allheilmittel. Während ich hier mein Glück feiere, schlagen IT-Experten bei Grossprojekten die Hände über dem Kopf zusammen – und das zu Recht.
Der Unterschied ist simpel: In einem hochkomplexen Enterprise-System mit tausenden Abhängigkeiten kann «hingevibeter» Code schnell zum Wartungs-Albtraum werden. Aber für mich als Solopreneur und für kleine und feine Tools wie das World Café Cockpit ist es ein Gamechanger. Es erlaubt mir, Lösungen in einer Geschwindigkeit und Qualität zu bauen, die früher ein ganzes Team erfordert hätten. (Und viel, viel Monetas!)
Das folgende Video von Mackard bringt diese Ambivalenz perfekt auf den Punkt. Es ist eine wichtige Warnung vor AI-Billiglösungen in der Industrie:
Das World Café Cockpit live in Aktion erleben? In meinem Medienkurs «Medienmaster» ist das WCC der digitale Taktgeber. Schau dir an, wie ich das Stationenlernen in der 5./6. Klasse neu definiere – oder melde dich einfach für einen unverbindlichen Austausch!
