Nichts ist digital, alles ist kybernetisch

Wir reden von Cybersecurity und Cyberwar. Ansonsten ist das Wort Digital der Champion. Cyberstrategie, Cyberethik und Cyberinitiative wären sinnvolle Worte bei den aktuellen Diskussionen zum Bildungssystem, zu Unternehmens- und Prozessstrukturen zur Reorganisierung des Staates etc.. Es geht nicht um digital gespeicherte oder prozessierte Daten. Es geht um kybernetische Räume, um selbstregulierende und chaotische, unüberblickbare, rational kaum zu erfassende soziale Systeme, in denen sowohl Menschen als auch Maschinen Subjekte sind.

Die Schlüsseltechnologie «Digitalisierung» ist dabei ein Baustein von mehreren. Für die Entstehung dieser neuen sozialen Räume sind die Vernetzung und andere Schlüsseltechnologien mindestens so wichtig wie die Digitalisierung.

Digital heisst Einsen und Nullen, es heisst Schwarz und Weiss und Digits sind auch Finger. Wahrscheinlich nutzen wir lieber das Wort «Digital» anstelle von «Cyber», weil unser Geist noch nicht in der Postmoderne angekommen ist.

Der neue technologische Stil hat uns unvorbereitet in die Postmoderne geschickt. Die moderne Mobilitätsgesellschaft ist vorbei, wir leben im postmodernen Informationszeitalter. Der moderne Geist braucht Begriffe, die ihm das Gefühl geben, er habe es im Griff, er könne es überblicken, er könne Schwarz und Weiss voneinander trennen.

Ein Digitalisierungsprojekt erschreckt heute kaum noch jemanden.

Ein Cyberprojekt klingt bedrohlich.

Niemandem ist gedient, wenn wir ehrlich kommunizieren und gleichzeitig Ängste schüren. Die postmoderne Gedankenträgerin ist nach wie vor eine kleine avantgardistische Minderheit unter den modernen Geistern. Sie kann mit «Cyber» umgehen, sie will nichts «im Griff» haben, sie will gestalten, formen und inspirieren.

Postmoderne Gedankenträger*innen haben die Begriffe und den Wandel begriffen und verwendet in Gesprächen mit den alten Geistern das Wort «Digital», meinen jedoch «Cyber». Neue CDOs machen den CEOs weniger Angst als Chief Cyber Officers…

In Kombination mit den Worten Krieg und Sicherheit spielt es offensichtlich keine Rolle. Da darf der Kyber rein in den Cyberwar. Krieg macht eben sowieso Angst…

Damals noch… Korrekte Titel: Nichts digital irgendetwas sondern Cyber Society (1996), Cyber Medien Wirklichkeit (2004) und Cyberspace Divide (1997).

In den Neunzigerjahren des letzten Jahrhunderts feierte der Cyberspace in den klassischen Medien ein grosses Fest. Damals war noch kaum jemand im mentalen oder realen Cyberspace gender- und anderswie fluid unterwegs.

«Bin ich jetzt schon da drin?!?» Ja, ob du willst oder nicht, und dort wo du bist, ist nichts digital sondern alles kybernetisch.

Klassische Medien in den Neunzigern feiern den Cyberspace
Vor 1995 verwendeten die Medien den korrekten Begriff. (Bild: Marc Böhler)

(Bild ganz oben: «Cyberpunk Documentary PART 1 | Neuromancer, Blade Runner, Shadowrun, Akira» https://youtu.be/sttm8Q9rOdQ Youtube-Video, publiziert am 1.12.2019 / Zeitpunkt im Video: 10:26)

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